Vrsar in der Prähistorie
Die Spuren menschlicher Siedlungen kann man auf der Halbinsel bis in die Prähistorie zurückverfolgen. Auf der Halbinsel wurden Spuren des Paläolithikums und des Neolithikums entdeckt (Altsteinzeit und Jungsteinzeit). In einer Grotte oberhalb von Lim unweit von Vrsar sind Spuren einer prähistorischen Siedlung aus dem Paläeolithikum entdeckt worden (die Grotte des hl. Romuald). Welche ethnische Angehörigkeit die Ureinwohner der Halbinsel Istrien hatten ist nicht bekannt. Die ältesten Einwohner Istriens, dessen ethnische Zugehörigkeit feststeht, sind die Histri und Liburni. Die Histri bewohnten den grössten Teil der Halbinsel Istrien, ihnen verdankt Istrien auch der Namen: Hister - Histria - Istrien, die Liburnen lebten nur an der nordöstlichen Küste (Liburnien).
Neben Viehzucht und Landwirtschaft waren die Histri und Liburnen auch See - und Kaufleute. Ihre Handelsbeziehungen unterhielten sie mit den alten Griechen; an die Nordadria kamen griechische Schiffe und holten kostbaren Bernstein, der über Land aus dem fernen Ostsee hierher eingeführt wurde. Die Schiffe kamen auch in die Buchten von Vrsar und Lim.
Auf den Hügeln der Halbinsel bauten die Histri und Liburnen ihre befestigten Siedlungen. Diese Festungen wurden in der Regel zirkelförmig gebaut, umgeben von Verteidigungsmauern. Zwischen dem Fluss Mirna und dem Lim - Fjord hatten die Histri ziemlich viele Festungen. Meistens waren diese Festungen an schwerzugänglichen und strategisch wichtigen Punkten gebaut. So eine Festung hatten die alten Histri auch an der Stelle der jetzigen Stadt Vrsar, was man anhand der archäologischen Funde (Keramikbruchstücke) festellen kann.
In der Zeitspanne vom 10. bis 18. Jahrhundert war Vrsar administratives Zentrum der Grafschaft der Bischöfe von Porec. In Wirklichkeit herrschten die Bischöfe von Porec über Vrsar im Auftrag der römischen Päpste, die den Bischöfen von Zeit zu Zeit ihre Rechte bestätigten. Im Jahre 1177 besuchte der Papst Alexander der III (1159-1181) Vrsar auf seiner Reise von Venedig nach Ancona und ist hier drei Tage geblieben (Der Legende zufolge und manchen Dokumenten nach). Der Papst bestätigte dabei in einer besonderen Urkunde die Rechte des Bistums von Porec auf Vrsar, das im Mittelalter eine Sommerresidenz der Bischöfe war. Der Kampf um die Westküste Istriens endete in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts zugunsten Venedigs. Im Jahre 1267 stellte sich Porec unter die Obhut des Doges von Venedig und so sollte auch Vrsar, das sich auf dem Gebiet Porecs befand, unter die Obhut der Republik Venedig kommen. Das war aber nicht der Fall. Trotz vielen politischen Veränderungen blieb Vrsar im Besitz des Bistums von Porec und musste keine Steuer entrichten, weder an die Republik Venedig noch an Patriarchen aus Aquilea. Die Bischöfe von Porec betonten sogar in ihrem ofiziellen Titel ihre Macht über Vrsar. Zum Namen fügten sie immer hinzu: episcopus Parentinus et dominus Vrsariae (der Bischof von Porec und der Herrscher über Vrsar). Einige Bischöfe führten ihrem Namen den Titel bei: comes Vrsariae (der Graf oder Herzog von Vrsar). Unter der Obhut der Bischofe von Porec lebte Vrsar das Leben einer Dorfgemeinde, die aber über eigene Grundgesetze verfügte. Die Bischöfe von Porec stellten einen Verwalter (Gubernator) ein und verpachteten die Landgüter an verschiedene Vasalen. Das Landgut des Bistums in Vrsar (Häuser, Grundstücke, Weiden, Wälder, Fischereien, Salinen, Olivenmühlen, Brotöfen...) waren die wichtigsten Einnahmenquellen des Bistums von Porec. Die Pächter der Bistumsgüter in Vrsar legten beim Bischof einen Eid ab und entrichteten Geschenke in Naturgütern: (Wein, Öel, Holz, Fische, Salz, Käse...) In der Zeit der Ranaissance und des Barocks wurden Steinbrüche in Vrsar intensiv ausgebeutet. Besonders hochwertiger Stein wurde nach Venedig ausgeführt, für den Bau von Palästen, Kirchen und Brücken. In der Zeit vom 15. bis 17. Jahrhunderts wurde Vrsar einige Male durch die Pest verwüstet. Während des 17. Jahrhunderts wohnten einige Bischöfe von Porec ständig in Vrsar. In den berühmten Memoaren des italienischen Abenteuerers und Literaten Giacomo Casanova ist zu lesen, dass er in den Jahren 1743 und 1744 zweimal Vrsar besuchte. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts (1778) hob der Senat von Venedig die Kirchenrechte der Grafschaft von Vrsar auf. Damit fiel Vrsar unter die direkte Zustandigkeit des Dogen von Venedig. Für die abgenommenen Besitztümer wurde das Bistum von Porec in Geld entschädigt. Nach der Abhebung der kirchlichen Grafschaft fiel Vrsar in administrativer Hinsicht unter die Obhut der Gemeinde Sv. Lovrec. Die ehemaligen Landgüter des Bistums Porec wurden im 19 Jahrhundert Eigentum verschiedener adeligen Familien aus Porec.
Der französische Eroberer Napoleon Bonaparte besiegte im Jahre 1797 die Republik des hl. Markus (Venedig) und damit fiel Istrien laut Vertrag von Campoformi (17./18.X.1797.) dem österreichischen Kaiser Franz dem I. Die erste Regierungsperiode der k. und. k. Monarchie über Istrien dauerte kurze Zeit (1797-1805). Anfang Dezember 1805 besiegte Napoleon die österreichisch-preussische Armee bei Austerlitz und nach dem Friedensvertrag in Bratislava (26.XII.1805) fiel Istrien den Franzosen zu (1805-1813).
Nach der Niederlage Napoleons auf vielen europäischen Kriegsgebieten gelang es der k.und k. Monarchie Istrien wieder und länger als ein Jahrhundert (1813-1918) einzunehmen. Im 19. Jahrhundert ist Vrsar eine kleine Dorfgemeinde, integriert im Bezirk Porec. Im 19. Jahrhundert dehnte sich Vrsar ausserhalb der alten Standtmauern aus und in der Bucht wurde ein neuer Hafen gebaut. Auf den Berghängen zwischen dem Meer und der Altstadt entstanden neue Häuser. Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde auch die neue Schule gebaut (im Jahr 1900).